Japan

Oktober / November 2005

Exotische Flugzeugtypen, farbenfrohe Anstriche, exzellente Fotomöglichkeiten: Japan gilt zu Recht als Paradies für Luftfahrtenthusiasten.
Entsprechende Reiseberichte niederländischer Fotografen hatten bereits seit längerem mein Interesse geweckt. Ende 2004 wurden die Spinnereien konkreter, als sich herausstellte, dass mein Fotografenkollege Andreas ebenfalls von einem Trip ins Land der aufgehenden Sonne träumte. Phantom-Phreak Florian komplettierte dann unser Trio. Erste Planungen zielten auf das Jahr 2006, aber wie wir bald herausfanden, wären Typen wie der Jagdbomber Mitsubishi F-1 oder der Jettrainer Fuji T-1 dann nur noch im Museum zu sehen gewesen. Zudem weiß man angesichts der weltpolitischen Lage nie, wie lange das Wohlwollen der japanischen Behörden gegenüber Fotografen bei ihren Fliegerhorsten anhält. Auch die Zahl der Fotopunkte wird kleiner, wie wir in Hyakuri feststellen mussten. Die Zeit drängte also, und so entschlossen wir uns für den November 2005. Für diese Zeit sagten die Klimatabellen ein fotofreundliches und angenehmes Wetter voraus. Wir erlebten dann auch ein Temperaturspektrum von 0 (abends bei Misawa) bis 25 Grad Celsius (Nyutabaru in der Sonne).
Der Termin hatte den Vorteil, dass wir gleich drei Airshows (Iruma, Gifu und Tsuiki) besuchen konnten. Nach der Landung in Japan am Sonntag, den 30. Oktober, stand vor dem Flugtag in Iruma am Donnerstag, dem 3. November, bei Tokio ein "Gewaltabstecher"
(fast 1600 Kilometer in drei Tagen) auf dem Plan, um die berühmten blauen Phantoms in Misawa an der Nordspitze der Hauptinsel Honshu abzulichten. Die F-4 war für mich das Hauptziel der Reise. Deswegen fanden sich bis auf Naha auf der entfernten Insel Okinawa mit Hyakuri, Misawa, Nyutabaru und Gifu (Flugtestzentrum) alle japanischen Phantom-Basen auf unserer Route wieder. Weitere Top-Maschinen auf unserer Liste waren neben den letzten F-1, T-1 und T-2 die bunt lackierten Aggressor-F-15 aus Nyutabaru, die Heereshubschrauber in Akeno und natürlich das viermotorige Flugboot Shin Meiwa US-1. Für touristische Aspekte blieb trotz der 18 Tage wenig Zeit, da wir auch zivile Flughäfen und Luftfahrtmuseen mitnehmen wollten. Allerdings mussten wir unsere Route wenige Monate vor der Reise modifizieren, da die Show in Tsuiki um eine Woche vorverlegt wurde und nun am gleichen Tag wie der Event in Gifu stattfand. Wir entschieden uns für die F-1-Abschiedsshow im Süden auf der Insel Kyushu, auch wenn wir dafür eine Strecke von rund 1400 Kilometern in zwei Tagen zurücklegen mussten. In der folgenden Woche wollten wir uns nach Aufenthalten im Süden (Nyutabaru, Kanoya und noch einmal Tsuiki) wieder in Richtung Tokio zurückarbeiten. Die letzten Tage dienten dann als Reserve.
Trotz dieser ungeheuren Distanzen entschlossen wir uns, alle Strecken mit einem Mietwagen zurückzulegen. So waren wir flexibler, konnten die teilweise entlegenen Fotopunkte gut erreichen und hatten für den Notfall eine Übernachtungsmöglichkeit. Auf der anderen Seite kamen horrende Autobahngebühren auf uns zu (und eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h). Im Endeffekt blieben wir meist bis spätestens 16 Uhr an einer Basis (danach wurde es eh rapide dunkel), und fuhren den Abend durch bis in die Nähe des nächsten Flugplatzes, wo es am frühen Morgen schon weiterging. Also keine Vergnügungsreise! Um die Kosten in Grenzen zu Halten, hatten wir von Deutschland aus nur zwei Nächte in Tokio, die letzte Nacht am Flughafen Narita und die erste Nacht in Sendai gebucht. Ansonsten hatten wir vor, in Jugendherbergen oder unserem eigens angeschafften Zelt zu nächtigen. Letzteres blieb allerdings in seiner Verpackung, da wir uns reihum mit einer Erkältung herumschlagen mussten.
Die Vorbereitungen waren recht umfangreich: Japanische Übersetzungen unserer Führerscheine und Karten der Flugplätze mit Fotomöglichkeiten mussten besorgt werden. Kopien unserer Pässe mit einem japanischen Text, der unser Tun erläuterte, sollte den Umgang mit den japanischen Sicherheitskräften erheblich erleichtern. Zum Fotografieren über die teils hohen Zäune waren Leitern erforderlich. Bei der Mehrzahl der Flugplätze waren Brennweiten von rund 400 mm nötig. Statt dem schweren 600er-Tele setzte ich auf das handlichere Nikon AF-S 300er 2.8 mit Konvertern (TC-14 und TC-17). Außerdem bestand meine Ausrüstung aus je einer Nikon F4 und F5 sowie folgenden Objektiven: 28-70mm, 80-200mm 2.8 und 300mm 4. Insgesamt kam ich mit mehr als 150 belichteten Diafilmen im Gepäck wieder nach Hause. Vor uns hatten meist nur Niederländer und Briten diese Strapazen auf sich genommen. Selbst nach der Landung in Tokio glaubten wir immer noch nicht, dass wir es tatsächlich durchgezogen hatten...